„Kochen ist der beste Friedensmacher“ – Diaspora Cuisine

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Wir wissen: Kochen verbindet. Und damit stehen wir nicht alleine da. Wir wollen euch ein Projekt vorstellen, dass zeigt, wie schön und stark die kulinarische Kraft sein kann:

Diaspora Cuisine ist ein Netzwerk, dass traditionelle Rezepte aus dem mittleren Osten sammelt und verbreiten soll. Rita, die Initiatorin des Projekts, kommt aus Syrien und hat mit uns im Container in Marseille gekocht. Jeden Tag im Ramadan produziert sie ein neues Video mit den Rezepten ihrer Heimat. Dafür kooperiert sie mit SouiaLi, einer syrischen Exil-Radiostation.

Mittlerweile lebt sie in Deutschland und hat uns im Interview von ihrer Idee erzählt:

„Als ich vor zwei Jahren in Frankfurt angekommen bin, hatte ich nichts bei mir außer zwei Koffer mit Kleidung und eine Plastiktüte mit sieben Gewürzen, die meine Mutter selbst gemahlen hat. Sie glaubt nicht an Fertigware, sondern, dass ihre eigenen Gewürze die perfekte Basis für ein gutes syrisches Essen sind. Ich habe sie mit mir getragen, wie den Segen meiner Mutter. Dann habe ich begonnen, sie beim Kochen zu imitieren, um Heimweh und die Einsamkeit zu besiegen. Um nach einem anstrengenden Tag meine Heimat an meinem Tisch – und Frieden in meine Seele zu bringen.“

„Dadurch wurde die Idee von der Diaspora Cuisine geboren. Ich habe damit angefangen, Bilder meines syrischen Essens auf Facebook zu veröffentlichen. Plötzlich haben meine Freunde, die auf der ganzen Welt verstreut sind, sich darüber ausgetauscht, dass sie Heimweh haben. Ihre Identität wurde durch die Bilder der syrischen Küche bestätigt.“

„Heute sind auf unserer Facebook-Seite mehr als 3.000 syrische Auswanderer aktiv, verteilt von Sydney und Bangkok bis China nach San Francisco. Die meisten aber sind in Deutschland. Sie kochen, teilen Rezepte und informieren sich gegenseitig über Alternativen für ursprüngliche Zutaten. Was am wichtigsten ist: Sie alle sind in Kontakt miteinander gekommen, nach einem langen Bruch, wegen der unterschiedlichen politischen Meinungen über die Geschehnisse in Syrien. Kochen ist der beste Friedensmacher, Kulturbotschafter. Und es ist ein wichtiges Instrument zur Stärkung der Rolle der Frauen, weil Kochen die wichtigste Form des emotionalen und sozialen Ausdrucks im Nahen Osten für sie darstellt.“

„Der Mittlere Osten war schon immer ein Konfliktgebiet. Diese Tatsache hat auch Einfluss auf die Lebensmittel: Jedes Land meint, das Patentrezept einer bestimmten Speise zu haben. Sie vergessen, dass unser Essen ein Kulturerbe der ganzen Region ist, das schon lange vor den heutigen Grenzen existiert hat, wie Hummus zum Beispiel.“

„Wenn ich ein Rezept aussuchen müsste, dass für die Diaspora Cuisine steht, wäre es Tabouleh – ein sehr traditionelles Gericht, das aussieht, wie ein Mosaik, genauso bunt zusammengesetzt, wie die Leute aus dem Teil der Welt, aus dem die Speise stammt. Tabouleh ist ein Salat, der immer viele Menschen versammelt.“